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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 2.442 mal aufgerufen
 Kummerkasten
der_general Offline



Beiträge: 78

18.03.2006 17:19
PR-Kampagne SPIEGEL ONLINE Antworten

Hallo,

ich habe ein Beispiel dafür gefunden, dass es SPIEGEL ONLINE nicht so genau nimmt mit der Berufsethik (Pressekodex). Bei SPIEGEL ONLINE gibt es nämlich einen Artikel Motorrad des Jahres, aus dem ich wie folgt zitiere:

1. Was zeigte die Wahl?

Wie kommt die verantwortliche Journalistin darauf, dass die Wahl zeigte, dass Motorradfahrer sich für die Sicherheit entschieden haben? Hier die Ergebnisse:

In Antwort auf:
125er: Aprilia RS 125 Replica (kein ABS)

Roller: Vespa GTS 250 I.E. (kein ABS)

Cruiser: Triumph Rocket III (kein ABS)

Sportler: YAMAHA YZF-R1 SP (kein ABS)

Enduros: BMW R1200GS (optional ABS)

Allrounder: BMW K1200R (ABS serienmäßig, ist aber auf Wunsch gegen Preisreduktion um 600 Euro auch ohne ABS erhältlich)

Tourer/Sporttourer: YAMAHA FJR 1300A (ABS serienmäßig)


Wahrheitsgemäße Berichterstattung wäre doch, dass die Leser sich in den Kategorien, in denen Motorräder auch mit serienmäßigem (auch abwählbarem!) oder optionalem ABS gelistet waren, zweimal für BMW Motorräder und einmal für ein YAMAHA Motorrad entschieden haben. Und darunter wiederum muss lediglich ein einziges Motorrad (YAMAHA FJR 1300A) mit ABS geordert werden, beim Bestellen der anderen ist das nachweislich eine freie Wahlentscheidung des Käufers!

Und ob sich die Leser tatsächlich wegen des wahlweise erhältlichen ABS (2 x BMW) oder der zwingenden Serienausstattung ABS (1 x YAMAHA) dafür ("für die Sicherheit") entschieden haben, ist anhand des Datenmaterials nicht überprüfbar! Warum schreibt die SPIEGEL-Journalistin das dann so? Die müsste es doch als Vermutung oder als ein Gerücht kennzeichnen!

Denn für die Wahl der BMW R1200GS, der BMW K1200R und der YAMAHA FJR 1300A gibt es ganz andere, viel naheliegendere Erklärungsmuster aus der Sicht von Motorradfahrern. Beispielsweise ist die FJR 1300A "nur" der schnellste bequeme Reisetourer überhaupt, die erst kürzlich durch die neue BMW K1200GT Konkurrenz bekommen hat. Und die BMW K1200R ist einfach "nur" das stärkste Naked-Bike, zumal im "Premium-Segment". Das Erfolgsrezept GS hat soviele Erklärungsmuster, das sprengt den Rahmen. So sind die Gründe, nicht die für Reisen deutlich praxisgerechtere SUZUKI V-STROM 1000DL (Vorteil Zuladung & Gewicht!) zu kaufen vor allem in dem typischen Kardan-Antrieb und auch der Telelever-Vorderradführung zu suchen. Das Integral-ABS III kann es keinesfalls sein, denn allein die Wartung schlägt mit 160 bis über 200 Euro zu Buche, und es gibt hier auch Unfälle und Verletzte zu beklagen. Eine in der Branche nachvollziehbare Erklärung für den Kauf des ABS ist lediglich, dass bei BMW-Fahrern eine sogenannte "Vollausstatungsmentalität" vorherrscht.

2. Sichere Bremssysteme?

Die SPIEGEL-Redakteurin erweckt den falschen Eindruck beim Leser, als wären Bremsanlagen mit ABS sichere Bremssysteme ("mit dem sicheren Bremssystem"). Und Sie erweckt darüberhinaus den Eindruck, "konventionelle Bremsanlagen" wären unsicher. Warum möchte die denn diesen falschen Eindruck beim Leser erwecken? Motorradbremsanlagen mit ABS sind - das wäre die wahrheitsgemäße Unterrichtung der Öffentlichkeit - keinesfalls sicherer, als Motorradbremsanlagen ohne ABS. Sie haben lediglich eine automatische Blockiervorrichtung eingebaut, deren Wirksamkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit von Modell zu Modell unterschiedlich und zumal bei einigen Modellen bedenklich ist, und die es ungeübten und unfähigen Motorradfahrern ermöglichen soll, ein Motorrad ohne Sturz oder Verletzungen auf gerader Strecke (!) abzubremsen. Es handelt sich um eine Bremshilfe, also um Fahrassistenz wie Stützräder an Fahrrädern (gibt's auch für BMW LT-Motorräder!). Die Logik wäre dann ja, dass nur Motorräder mit Stützrädern sicher wären. Hat die eine Ahnung, wo Ihre Betrachtung von Sicherheit hinführt?

Und es gibt Hinweise darauf, dass Motorradbremsanlagen mit ABS deutlich unsicherer sind und erhebliche Risiken und reale Gefahren für den Fahrer darstellen, da sich die Hersteller nicht an Prinzipien orientieren, die bei der Avionik eine fundamentale Selbstverständlichkeit sind.

a. Richtig ist nämlich, dass die Staatsanwaltschaft München I seit Ende Januar 2006 im Zusammenhang mit der BMW Integral-Bremsanlage (ABS) wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt. Diese Bremsanlage wird übrigens inzwischen mit insgesamt vier Seiten Warnungen vor Betriebsgefahren verkauft, und es sind bereits Motorradinstruktoren / Fahrlehrer verunglückt!

b. Richtig ist darüber hinaus, dass das Kraftfahrtbundesamt seit Mai 2005 die Integral-Bremsanlage (ABS) nach GPSG überprüft, wohlgemerkt zum dritten Mal, und dass die Untersuchung bis heute nicht abgeschlossen ist.

c. Richtig ist auch: Es gibt mit ABS-Bremsanlagen an Motorrädern weitere Probleme, so z.B. auch mit dem BOSCH-BREMBO ABS an der KAWASAKI ER-6n wegen Hebelblockade mit dem Resultat, dass eine Sekunde lang kein Bremsdruck aufgebaut wird. Selbst an der neuen KTM 990 Adventure ist der Druckpunkt der ABS Bremsanlage von BOSCH-BREMBO schlechter, als an einer "konventionellen".

d. Richtig ist auch vor allem, dass die von der SPIEGEL-Redakteurin erwähnte "konventionelle Bremsanlage" der YAMAHA YZF-R1 eine Referenzbremsanlage an Motorrädern ist! Sie gehört zu den besten serienmäßigen Bremsanlagen überhaupt und das hat bei Tunern konkret dazu geführt, dass die diese Bremsanlage z.B. an SUZUKI GSXR-1000 (K5) Motorräder montieren! Es gibt zur Zeit nachweislich keine sicherere Technologie bei Motorradbremsen, als die geringschätzig als "konventionell" bezeichnete. Das gilt es auch unbedingt so - wahrheitsgemäß - darzustellen! Andere Darstellungen sind in jedem Fall falsch!

3. Nur die YAMAHA YZF-R1 SP konnte sich mit einer "konventionellen Bremsanlage" durchsetzen?

Die SPIEGEL-Redakteurin erweckt damit den falschen Eindruck, als wären die Modelle Triumph Rocket III Classic und die Aprilia RS 125 Replica wie auch die Vespa GTS 250 I.E.mit ABS ausgestattet. Das sind sie aber nicht!

Sie erweckt ferner den falschen Eindruck, Motorräder mit sogenannter "konventioneller Bremsanlage" hätten es nicht leicht, sich gegenüber Motorrädern mit ABS-Bremsanalagen durchzusetzen. Dieser Eindruck, den den die da erweckt, läßt sich nicht anhand des Datenmaterials beweisen. Insofern stellt das lediglich eine Vermutung dar, die dann auch als solche gekennzeichnet werden sollte - im Rahmen fairer Berichterstattung! Warum aber möchte die Journalistin Vermutungen als Tatsachen hinstellen? Damit Vermutungen als Tatsachen erscheinen? Das wäre dann wirklich eine großartige Leistung für SPIEGEL ONLINE!

Zusammenfassend ist doch der Eindruck entstanden, SPIEGEL ONLINE wollte die Leser nicht wahrheitsgemäß unterrichten, sondern einen geschickten PR-Schachzug für ABS an Motorrädern vollziehen.

Den Vorgang kann ich nicht fassen - und sowas beim SPIEGEL!

der_general

Michael Lenzen Offline




Beiträge: 330

19.03.2006 09:49
#2 RE: PR-Kampagne SPIEGEL ONLINE Antworten

Hallo zusammen,

das ist kein Beispiel für spiegel-online, sondern für die Berichterstattung der Nachrichtenagenturen, von denen spiegel-online den Text übernommen hat. Die Agentur-Nachricht, wie viele andere Berichte auch, zielt eindeutig darauf ab, das ABS für Motorräder verbindlich einzuführen. Entsprechende Gesetzentwürfe der Bundesregierung liegen vor. Jetzt wird auf dem Weg über die Medien der Weg dafür geebnet. Auch wenn es aus dem Verkehrsministerium heißt, dass es keinen deutschen Sonderweg geben wird, wenn das ABS nicht EU-weit eingeführt wird, bin ich mir da nicht so sicher. Bei der Reifenbindung haben wie schließlich auch einen deutschen Sonderweg.
Ich bin selber ein Verfechter des ABS und würde mir kein Motorrad mehr ohne kaufen. Aber wir Motorradfahrer müssen die Wahl haben, ob wir dieses Sicherheitsfeature (das sicher noch verbesserungswürdig ist) haben wollen oder nicht. Es per Gesetz einzuführen ist der falsche Weg, zumal es Einsatzbedingungen gibt, wo das ABS fehl am Platz ist (etwa auf Schotter).
Die Entwicklung am Markt zeigt doch, wo hin die Richtung geht. Deshalb ist ein Eingreifen durch die Regierung (und durch die Versicherer) absolut überflüssig.

Mehr Freiheit für uns
Michael Lenzen, 2. Vorsitzender BVDM
BVDM, Mit Sicherheit mehr Spaß

Arno Nym ( Gast )
Beiträge:

21.03.2006 14:21
#3 RE: PR-Kampagne SPIEGEL ONLINE Antworten

Streiche "SPIEGEL-Online", setze motorradonline, bzw. Nachrichtenagentur, wie der Vorposter bereits bemerkt hat. Spiegel Online hat offensichtlich nur abgeschrieben, siehe

http://www.motorradonline.de/d/210129?_rubrik=2352

An den Propagandamethoden ändert das freilich nichts.

der_general Offline



Beiträge: 78

21.03.2006 15:12
#4 RE: PR-Kampagne SPIEGEL ONLINE Antworten

Der Vorgang könnte doch glatt eine Beschwerde beim Deutschen Presserat auslösen!

Denn der Chefredakteur der Zeitschrift MOTORRAD gibt im Leitartikel der Ausgabe 05 vom 17.02.2006 vor, zu wissen, was "unabhängige Journalisten" sind, wie diese arbeiten und wie "eine wahre Geschichte" entsteht. Er behauptet aber vor allem, bei MOTORRAD würden die Journalisten Ihren Beruf ernst nehmen und "immer die Wahrheit" recherchieren.

Sowas hat der da geschrieben - jeder kann es schwarz auf weiß in der genannten Ausgabe nachlesen!

richy_lips@hotmail.com ( Gast )
Beiträge:

02.10.2006 15:41
#5 RE: PR-Kampagne SPIEGEL ONLINE Antworten

Ich habe mir eine Fjr 2006 gekauft. Die Integralbremse hatte nach 2000 Km. Rost auf den Scheiben. Mit Gps haben wir vor die zweite Maschine unter beladung zu Prüfen.Wohlverstanden nach einem Totalschaden.Eine Frau ist Fälschlicherweise links abgebogen und die Bremse hat das Abs nicht Ausgelöst., da das Hinterrad gestiegen ist. Mit 44kg in den Koffern und 54 kg schwerem Sozius war das Motorrad von der Schweiz bis Marokko nicht Bremsbar. Entweder wurde das Abs auf leichten Druck ausgelöst oder unter Volllast gar nicht. (oben Beschrieben) D

Zitat von Arno Nym
Streiche "SPIEGEL-Online", setze motorradonline, bzw. Nachrichtenagentur, wie der Vorposter bereits bemerkt hat. Spiegel Online hat offensichtlich nur abgeschrieben, siehe
http://www.motorradonline.de/d/210129?_rubrik=2352
An den Propagandamethoden ändert das freilich nichts.
azu kommen noch weitere Probleme mit der Elektronik. Vier Fjr habe ich gefahren keine war schlechter als die mit Integralbremse.

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