Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 926 mal aufgerufen
 Kummerkasten
Pressefahrer ( Gast )
Beiträge:

06.10.2006 20:19
Presserat erteilt Hinweis an Zeitschrift MOTORRAD antworten

Entscheidung
des Beschwerdeausschusses 2
in der Beschwerdesache BK2-95106

Ergebnis: Hinweis, Ziffer 1
Datum des Beschlusses: 12.09.2006



A. Zusammenfassung des Sachverhalts

Die Zeitschrift MOTORRAD berichtet am 28.04.2006 unter dem Titel „BMW-ABS-Rückruf - Blend-Wirkung" über eine Rückrufaktion von BMW wegen eines Fehlers des Antiblockiersystems eines bestimmten Motorradmodells. Weiterhin heißt es in dem Beitrag, dass eine diesbezügliche Anzeige gegen drei Manager des Unternehmens von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden sei.

Der Beschwerdeführer führt an, dass es sich nicht um eine Rückrufaktion, sondern um eine freiwillige technische Aktion des Herstellers BMW handele. Juristisch sei dies ein erheblicher Unterschied.

Weiterhin kritisiert er, dass nicht darüber informiert werde, dass zwar das Verfahren gegen die Manager eingestellt wurde, die Staatsanwaltschaft dann aber ein Verfahren gegen unbekannt wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet hatte. Andere Medien hätten dies mitgeteilt.

In ihrer Stellungnahme teilt die Rechtsabteilung der MOTORPRESSE Stuttgart mit, dass es für den Berichtsinhalt ohne Belang sei, ob es sich um einen freiwilligen oder angeordneten Rückruf handelte. Auch eine freiwillige Maßnahme des Herstellers zur Beseitigung von Gefahren werde zulässig und im Wortlaut aller einschlägigen Vorschriften entsprechend als Rückruf bezeichnet. Auch aus der weiteren Darstellung im Artikel ergebe sich der Umstand des freiwilligen Rückrufs zweifelsfrei.

Eine Verpflichtung, über ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen Unbekannt zu informieren, habe für die Redaktion nicht bestanden. Die Aufnahme eines solchen Verfahrens in einen Artikel sei nicht durch eine Rechtsvorschrift geboten und stünde im alleinigen Ermessen der Redaktion.

B. Erwägungen des Beschwerdeausschusses

I. Der Beschwerdeausschuss ist der Meinung, dass MOTORRAD mit der Veröffentlichung des Beitrages unter der Überschrift „BMW-ABS-Rückruf - Blend-Wirkung" gegen das Gebot der wahrhaftigen Unterrichtung der Öffentlichkeit nach Ziffer 1' des Pressekodex verstoßen hat. Nach Ansicht des Gremiums wäre es notwendig gewesen, nach der Mitteilung über die Einstellung des Verfahrens gegen drei BMW-Manager die Leser darüber zu informieren, dass danach Ermittlungen gegen Unbekannt aufgenommen wurden. Dadurch wäre dem Leser klar geworden, dass lediglich die Ermittlungen gegen drei konkrete Personen eingestellt wurden.

II. Die Verwendung des Begriffs ,,Rückrufaktion“ kritisiert der Beschwerdeausschuss nicht. Nach seiner Ansicht handelt es sich hier um eine Formulierung, die aufgrund des allgemeinen Sprachgebrauchs akzeptiert werden kann. Die journalistische Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2 Pressekodex wurde daher nicht verletzt.

C. Ergebnis

Aufgrund des Verstoßes gegen die Ziffer 1 des Pressekodex erteilt der Beschwerdeausschuss der Redaktion von MOTORRAD gemäß § 12 Beschwerdeordnung einen Hinweis.

Die Entscheidung ergeht einstimmig.

 Sprung  
Xobor Forum Software von Xobor
Einfach ein eigenes Forum erstellen