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Dieses Thema hat 26 Antworten
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 Tagfahrlicht
Seiten 1 | 2
FZR-Joe Offline



Beiträge: 10

10.09.2005 13:08
Dauerlicht für Dosen? antworten


Was haltet ihr eigentlich davon, dass Autos dauerhaft mit Licht unterwegs sein sollen?

Ich finde das richtig besch..., weil wir als Mopedfahrer dann leichter übersehen werden
und weil der Spritverbrauch beim Autofahren dann höher wird, und das bei den Spritpreisen!

Tim492 Offline




Beiträge: 37

12.09.2005 08:34
#2 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten

Hi,

im Grunde genommen gar nix. Der Sicherheitsvorteil für Biker und Rettungsdienste geht verloren. Das halte ich für einen zu hohen Preis. Wem von uns ist es nicht schon mal passiert, das er von einem Linksabbieger im Gegenverkehr übersehen wurde? Nun ja, das mit dem Benzinverbrauch spielt bei den meisten sowieso keine Rolle. Die meisten könnten durch einen effizienten Fahrstil mehr einsparen als dadurch das sie das Licht auslassen.

Aber trotzdem: Wer einen PKW ohne Licht schon nicht erkennt, dem gehört ein Termin beim Augenarzt.

Man könnte ja als Mopedfahrer dazu übergehen dann mit Fernlicht zu fahren.-)))
So nach dem Motto: lieber geblendet und erkannt als übersehen und umgenietet.

So long....

Tim (MA)

Frank ( Gast )
Beiträge:

14.09.2005 22:32
#3 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten

Hallo lieber BVDM.

Seit Jahren beklagst du dich, das wir Motorradfahrer uns nicht mehr als Minderheit verstehen und mangels Solidarität dich als unseren gemeinsamen Interessensvertreter nicht so recht mit zahlreichen Mitgliedschaften unterstützen.
Wo bist du jetzt lieber BVDM? Wo bist jetzt um uns mit lauter Stimme und starker Hand vor diesem Schwachsinn aus Berlin und Brüssel zu beschützen?
Die Taglichtpflicht für PKW wird hunderte Zweiradfahrer auf deutschen Strassen das Leben kosten. Was in Flächenstaaten wie Frankreich und Skandinavien vielleicht noch Sinn macht, ist in Deutschland mit seiner ungleich höheren Verkehrsdichte durch nichts zu rechtfertigen. Die Taglichtpflicht ist das Todesurteil für ungezählte Kradfahrer.
Lieber BVDM, ich weiss nicht was noch kommen soll, damit du dich endlich mal wirksam für uns Zweiradfahrer einsetzen kannst.
Aber auch wir Motorradfahrer/innen sollten diesen Beschluss zur Taglichtpflicht als Bedrohung unserer (über)lebenswichtigen Interessen verstehen und endlich aktiv werden.
Wenn erst die 2006er Unfallstatistik wieder deutlich über 1000 getötete Kradfahrer ausweisen wird und wir in der öffentlichen Wahrnehmung endgültig als verantwortungslose Raser abgestempelt sein werden, dann wird es zu spät sein...

Christian Könitzer Offline

Admin


Beiträge: 73

15.09.2005 00:25
#4 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten
Lieber Frank,

unser Europareferent Karsten Steinke kämpft seit Jahren in der FEMA gegen das Tagfahrlicht.
Meines Erachtens ist es der richtige Ansatzpunkt, dem Tagfahrlicht auf europäischer Ebene entgegen zu wirken. Leider ist dieses Vorgehen nicht so effekthascherisch und medienwirksam wie beispielsweise eine Demo, aber effektiver.

Mit 22 Verbänden aus 17 Ländern, in denen der Prozentsatz der organisierten Motorradfahrer meist deutlich höher ist als in Deutschland, haben wir hier die nötige Zahl an Motorradfahrern (und natürlich Wählerstimmen) hinter uns, um die Politik zu bewegen. Nach zahlreichen Gesprächen hat die Europäische Union zur Klärung eine Studie über das Tagfahrlicht in Auftrag gegeben.

Auf nationaler Ebene hat das Bundesverkehrsministerium in Berlin eine Studie bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Auftrag gegeben. Auch in Arbeitskreisen dieser BASt sind wir aktiv dabei.

Soweit der aktuelle Stand,
Christian

FreeDee Offline




Beiträge: 13

15.09.2005 12:29
#5 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten

So ganz versteh ich euch jetzt nicht.
Der allgemeine Vorteil des fahrens mit Licht liegt darin, das ein sich bewegender Lichtpunkt die Aufmerksamkeit des Menschen (Auto- UND Mopedfahrer) sehr viel eher auf sich zieht als irgendwas anderes. Damit ist es zwar richtig, dass das Motorrad in der Menge nicht mehr so sehr auffällt, wenn alle mit Licht fahren, aber trotzdem ist es nach wie vor ein sich bewegender Lichtpunkt. Die Gefahr, deswegen übersehen zu werden, kann ich nicht erkennen. Vielmehr könnte vielleicht mancher Unfall verhindert werden, weil dann auch Autos früher und besser erkannt werden können, von Auto- UND Motorradfahrern. Ich fahre im Jahr ca. 80.000 km, davon 70.000 mit dem Auto und mich erschrecken immer wieder Autofahrer, die in der Dämmerung ohne Licht fahren, nur weil sie glauben, dass sie mit eingeschaltetem Licht auch nicht mehr sehen als ohne.

Friedhelm

P.S: Ich halte die Themen "Unterfahrschutz" und "Bitumen" für wesentlich wichtiger

Tim492 Offline




Beiträge: 37

16.09.2005 10:21
#6 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten

Hallo Friedhelm,

sicher, ein sich bewegender Lichtpunkt ist eher auszumachen als gar kein Lichtpunkt - vor allem in der Dämmerung. Soweit OK. Aber wir haben ja nicht nur Dämmerung sondern auch Tag (so hell das man eigentlich auf Licht verzichten könnte). In einer Menge von Lichtpunkten ist dann ein Motorrad in einer Menge Autos nicht mehr, oder nur sehr schlecht auszumachen. Das kann dann schon nachteilig werden (für das Moped). Nun, wenn Du schon viel unterwegs bist hast Du mit Sicherheit auch schon mal abends oder nachts im Stau gestanden wenn alle das Licht anhaben. Mopeds sind mit einem Licht dann quasi unsichtbar, da sie im Lichtschein der ganzen PKW Lichter quasi untergehen. Nix anderes ist gemeint.

Deshalb bleibe ich dabei: Tagsüber sollten nur Motorrader (Zweiräder und Rettungsdienste) mit Licht fahren (heller Himmel vorausgesetzt und nicht trüb oder gar Dämmerung). Wer dann noch ne komplette Dose übersieht war entweder nicht aufmerksam genug, oder hat ein Problem mit den Augen.

Beste Grüße

Tim (MA)

FreeDee Offline




Beiträge: 13

17.09.2005 08:21
#7 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten

Hallo Tim,

du hast Recht, in der Menge der Scheinwerfer ist sicher ein Motorrad nicht so leicht als Motorrad auszumachen, aber unsichtbar wird es dadurch ganz gewiß nicht. Die Gefahr eines Unfalls sehe ich nicht so sehr in der Situation „Stau auf Autobahn“ oder „Warteschlange vor Ampel“, sondern eher auf der Landstraße, wo ein Motorradfahrer trotz eingeschaltetem Licht übersehen wird, wenn ein Auto/LKW/Trecker aus einer Seitenstraße einbiegt. An der Stelle könntest du auf dem Moped das Auto bzw. dessen Anfahrbewegung früher sehen und früher reagieren.
Für mich ist es nicht wichtig, das eingeschaltete Licht als Alleinstellungsmerkmal oder als Statussymbol des Motorradfahrers zu behalten. Ich glaube auch nicht, das die Einführung des Tagfahrlichts für Autos Hunderte von Motorradfahrern das Leben kosten wird, sondern es wird Hunderte von Motorradfahrern, Autofahrern, Fußgängern und Kindern das Leben retten.

Friedhelm

pressesprecha ( Gast )
Beiträge:

18.09.2005 22:28
#8 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten

Hallo Friedhelm.

Bei einer anzustrebenden Opposition gegen die Taglichtpflicht für sämtliche Verkehrsteilnehmer geht es m.E. vorwiegend um die fahrdynamischen Aspekte der Kradfahrer im Strassenverkehr.
Schon jetzt geschehen die meisten Unglücke deswegen, weil Pkw-Fahrer Entfernung und Geschwindigkeit herannahender Motorradfahrer, aufgrund derer schmalen Silhuoette, nicht oder nur unzureichend einschätzen können. Z.B. wenn sie wartepflichtig in eine vorfahrtsberechtigte Strasse einkreuzen. Hierfür hat der deutsche Gesetzheber den Zweiradfahrern mehr als 3 Jahrzehnte lang einen elitären Aufmerksamkeitsfaktor zugebilligt – die alleinige Taglichtpflicht für Biker.
Dieser passive Unfallschutz soll nun scheinbar ohne Not einer europäischen Vereinheitlichung geopfert werden.
Positive Feldstudien wurden in europäischen Nachbarländern mit ländlicher Struktur und geringer Verkehrsdichte (z.B. Polen) oder in Ländern mit oft diffusen Lichtverhältnissen (Skandinavien – Mitternachtssonne) gemacht.
Auf bundesdeutsche Verhältnisse mit einer ungleich grösseren Verkehrsteilnehmerfrequenz sind diese Resultate nicht transponierbar.
Eine allgemeine Taglichtpflicht reduziert die Zweiradfahrer in der Wahrnehmung der Verkehrsteilnehmer nur noch auf „da ist ein Fahrzeug – da ist kein Fahrzeug“. Der derzeitige (theoretische) Aufmerksamkeitswert der Motorradfahrer durch das alleinige Abblendlicht zur Tageszeit würde entfallen. Aufgrund der fahrdynamischen Unterschiede zu anderen Verkehrsteilnehmern bezüglich Beschleunigung und Elastizität brauchen wir Motorradfahrer diese Aufmerksamkeit aber ganz, ganz dringend!
Und ich rede hier ganz bestimmt nicht den Rasern das Wort...!
Gruss Frank

FreeDee Offline




Beiträge: 13

27.09.2005 12:18
#9 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten

Eine (pseudo-)wissenschaftliche Terminologie erhöht nicht zwangsläufig die Veritabilität. Mit der Wahrnehmung des Autofahrers „da ist ein Fahrzeug“ und der Schlussfolgerung „also warte ich“ würde ich mich zufrieden geben.
Aber ich schätze, wir werden hier nicht zu einer einhelligen Meinung gelangen. In Österreich ist das Tagfahrlicht für alle ab 15.November Pflicht. Da dort weder eine geringere Verkehrsdichte noch diffuse Lichtverhältnisse herrschen, sollte man vielleicht am 15.November 2006 mal schauen, wie es sich ausgewirkt hat. Und bis dahin versuchen, auch mal über den Tellerrand (oder Windshield) hinaus zu denken.

Gruß Friedhelm

Pressesprecha ( Gast )
Beiträge:

27.09.2005 22:48
#10 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten

Na gut, dann denken wir doch mal jenseits jeder nötigen Lobbyarbeit über den Tellerrand hinaus. Es gibt ja noch andere Verkehrsteilnehmer ausser Pkw und Kradfahrer. Wie wäre es denn z.B. mit Fussgängern? Wenn die (unbeleuchtet) auf dem Mittelstreifen stehen?! Oder Radfahrern, die (schwach beleuchtet) in die Pedale treten weil sie keinen Motor haben?!
Die werden tagsüber innerstädtisch bestimmt richtig toll auffallen, wenn alles rund um sie herum mit (Abblend-)Licht fährt. Hier wird sicherlich ein Konditionierungseffekt eintreten, der – unterbewusst – die optische Wahrnehmung der motorisierten, schnellen Verkehrsteilnehmer stark auf den Schlüsselreiz Licht reduziert. Ob die langsamen Verkehrsteilnehmer von den optischen Signalen profitieren, wird nicht nur von mir angezweifelt. Gerade die besonders schützenswerte Gruppe der fussgehenden Senioren und der Kinder zeichnet sich dadurch aus, das sie generell eine oft nur eingeschränkte Wahrnehmung des Verkehrsgeschehens haben und speziell Geschwindigkeiten schlecht einschätzen können. Ein Sicherheitsgewinn für diese Gruppe ist also sehr fragwürdig.
Tagesaktuell habe ich heute (270905) auf dem Fernsehsender Vox, Videotexttafel 508 einen Beitrag zu diesem Thema gefunden. (Glaube mir, oder glaube es nicht – wir haben nicht voneinander abgeschrieben...)
Übrigens sollten wir bei aller Liebe zu dem schönen Österreich diese Alpenrepublik nicht als unser Vorbild sehen. Dort will nämlich eine Gleichstellungsbeauftragte des Europaparlaments die Nationalhymne umtexten lassen: Nicht mehr von Brüdern und Bruderschaften soll gesungen werden, sondern von Männlein und Weiblein gleichberechtigt....!!
Nichts gegen Gleichberechtigung – bestimmt nicht – aber genau gegen diesen undifferenzierten EU-weiten Gleichmachungswahn sollten wir uns vehement wehren.
Mir ist jedenfalls in der ganzen öffentlichen Diskussion noch kein einziges schlüssiges Argument begegnet, warum die seit 1988 bestehende alleinige Taglichtpflicht für Motorradfahrer nun auf einmal falsch sein soll. Wenigstens sind sich hierbei BVDM, AvD und ADAC bis dato einmal einig, wenngleich aus verschiedenen Gründen.

professor ( Gast )
Beiträge:

18.06.2006 23:30
#11 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten

Ich sehe überhaupt kein Problem für das Dauerlicht bei Autos:
1. Fakt ist, dass ein Fahrzeug, welches mit Licht entgegen kommt früher erkannt wird. Wenn man überholen will, ist es föllig unerheblich, ob das entgegenkommende Fahrzeug ein- oder zweispurig ist, entscheident ist, dieses Fahrzeug frühzeitig zu erkennen.
2. Spritverbrauch: Ich bin mir absolut sicher, dass falscher Reifendruch auf unseren Strassen mehr unnötigen Sprittverbrauch verursacht als das Fahren mit Dauerlicht. Wenn man sich vor Augen hällt, wie viel Leistung ein Fahrzeugmotor (Benzin oder Diesel) erzeugen muß, um sich erst mal überhaubt selbst zu drehen (Schleppleistung), um die Verluste im Getriebe und Antriebstrang zu überwinden und die Leistung die schlussendlich das Fahrzeug gegen den Luftwiederstand vorran treibt, kommen wir auf eine Summe von mindestens 30 kW, was bei hohen Geschwindigkeiten bzw. am Berg auf weit über 100kW ansteigt. Wenn wir demgegenüber die Leistung des Fahrlichtes mit ca. 150W betrachten schlägt dieses dann mit etwa 0,5% zu Buche. Bei höheren Geschwindigkeiten auf der Landstrasse oder autobahn ist der Anteil noch beträchtlich geringer.

Frank Tobien Offline



Beiträge: 15

13.08.2006 21:04
#12 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten
Ein grosses Lob an den BVDM für die stetige Öffentlichkeitsarbeit und ein besonderes an Michaels Adresse:

Dieses Wochenende steht u.a. auf Spiegel online (und ab Montag sicherlich auch in diversen Printmedien) eine erneute Stellungsnahme des Bundesverbandes der Motorradfahrer in Sachen Verkehrssicherheit.
Viele von uns können es bestimmt nicht mehr hören und wollen bestimmt auch nicht mehr davon lesen, daß von Motorradfahrern meistens nur im Zusammenhang von Unfallzahlen und Risiken berichtet wird...
Dennoch sind kontinuierliche, vernünftige und sachspezifische Wortmeldungen seitens des BVDM dringend nötig, um unseren Verband in der öffentlichen Wahrnehmung und in den politischen Entscheidungsgremien als seriösen Gesprächspartner zu etablieren und in wacher Erinnerung zu halten.
Das Michael Lenzen seine persönlichen beruflichen Kontakte so intensiv zum Vorteil unseres Verbands einsetzt, kann ihm garnicht hoch genug angerechnet werden!

Das vom BVDM geforderte exklusive Tagfahrlicht nur für Motorräder lässt sich wegen einer bereits beschlossenen Neuwagen-Verordnung innerhalb der EU nicht durchsetzen. Dieses - nicht zuletzt auch von mir persönlich angestossene - Thema fand unter unserer Mitgliedern und innerhalb der Motorradfahrerschaft nur geringe Unterstützung und sehr wenig Zuspruch.
Danke dennoch an alle, die kontrovers und kritisch mitgewirkt haben.
Als Konsequenz werden wir uns (vermutlich) in den folgenden Jahren leider mit weiterhin viel zu hohen und womöglich sogar noch gegen den Trend steigenden Unfallzahlen mit Zweiradbeteiligung auseinandersetzen müssen.
Auch wenn der Versuch der konkreten Gefahrenabwehr hier als gescheitert gelten soll, wird sich der BVDM weiterhin engagiert für die sicherheits-relevanten Bedürfnisse der Kradfahrer einsetzen müssen.
Nur so kann erreicht werden, dass unser Verband in unserem gemeinsamen Interesse und zu unser aller Vorteil in eine konstruktive Mitarbeit bei der Entscheidungsfindung zukünftiger Beschlüsse miteingebunden werden wird.

Pressemitteilungen und Öffentlichkeitsarbeit, wie nun jüngst von Michael Lenzen wiederholt erfolgreich lanciert, sind dabei unschätzbar wertvoll.

Mit Gruss
Frank Tobien / Referat TFL im BVDM

Frank Tobien Offline



Beiträge: 15

24.09.2006 20:03
#13 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten

Hallo zusammen.

Seit kurzem gibt es eine Homepage die sich einerseits populär, andererseits aber auch ausführlich und kritisch mit der komplexen Thematik des beabsichtigten Tagfahrlichtgebotes für sämtliche Verkehrsteilnehmer beschäftigt:

http://www.taglichtpflicht.de

Die Seite wird z.Zt. noch aktualisiert und erweitert.
Diese Homepage darf sicherlich als lobenswerter Versuch gelten, eine öffentliche Diskussion zu diesem Thema in Gang zu halten oder neu anzustossen.
Bildet euch selbst eine Meinung.

Mit Gruss
Frank Tobien / Referat TFL im BVDM

FreeDee Offline




Beiträge: 13

06.11.2006 11:03
#14 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten

Ich finde es immer wieder höchst erstaunlich, wieviel Energie einige Mitmenschen darauf verwenden, die eigene Meinung als die richtige darzustellen, obwohl sie keinerlei rationale Argumente dafür anführen können. Ich hab mir die hier beworbene Website taglichtpflicht.de von Herrn Rainer Günzel mal angesehen und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Herr Günzel argumentiert dort, dass nach der Einführung der Lichtpflicht in Skandinavien zwar die Zahl der Unfalltoten um 35% zurück ging, in Deutschland jedoch im gleichen Zeitraum um 50%. Dabei verschweigt er, dass 1970 in Deutschland die Gurtpflicht eingeführt wurde, die im Übrigen zu Beginn genauso umstritten war. Damals wurde argumentiert, bei Fahrzeugbrand oder beim Sturz in einen See nicht rechtzeitig entkommen zu können, zugegegeben eine Gefahr, die einen sekündlich ereilen kann .
Da wird weiter (unter "Pyschologie") angeführt, dass es überhaupt kein erhöhtes Sicherheitsbedürfniss gibt, sonst würden nicht so viele graue und dunkle PKW unsere Straßen bevölkern, sondern nur signalfarbene. Von dem Argument der weißen Blinker ganz zu schweigen (würde ja beim Moped KEINER je machen)! Der Mann will Diplomingenieur sein, wo hat er denn das wissenschaftliche Arbeiten gelernt??? Die gesamte Website des Herrn Günzel strotzt vor Polemik und hält keinerlei wissenschaftlicher Überprüfung stand. Ein einziges Argument habe ich gefunden, dem ich zustimmen könnte: die drohende Überblendung des PKW-Blinkers durch das Frontlicht (hinten wird er eh durch das Bremslicht überblendet).
In meinem ersten Beitrag zu diesem Thema habe ich geraten, die Erfahrungen aus Österreich abzuwarten. Inzwischen gibt es erste Ergebnisse: Aus einer Veröffentlichung des Österreichischen Verkehrsministeriums http://www.bmvit.gv.at/presse/aktuell/nv...821OTS0128.html geht hervor, dass die Zahl der Verkehrstoten im Vergleichszeitraum (der nicht näher definiert ist) um ca. 15% gesunken ist.
Und selbst wenn es nur 0,2% wären, selbst wenn nur ein einziges Kind (eines der drei Günzel-Kinder oder eines von meinen) NICHT überfahren würde, wäre das Tagfahrlicht eine sinnvolle Sache. Warum soll etwas beim Motorrad ein hochgelobtes Sicherheitsfeature sein und beim Auto ein verabscheuungswürdiges Fehlverhalten?
Ich habs an anderer Stelle schon mal gesagt: ich fahre mit dem PKW ca. 80tkm im Jahr, mit dem Motorrad sind es mehr als 10tkm und ich kann beim besten Willen am Tagfahrlicht für PKWs nichts schlechtes erkennen.
So, mehr werde ich zu diesem Thema jetzt nicht mehr sagen. Schlagt zu, ihr Polemiker!

Friedhelm

Michael Lenzen Offline




Beiträge: 330

07.11.2006 07:55
#15 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten

Hallo Friedhelm,

Polemik ist bei diesem Thema nicht angebracht. Doch wir bewegen uns alle auf dünnem Eis, solange es keine neutrale Untersuchung zum Tagfahrlicht gibt. Aus meiner Sicht steht aber eines ganz klar fest. Den Sicherheitsgewinn den wir als Motorradfahrer durch die Einführung des Tagfahrlichtes für Motorräder hatten (das zeigen die anschließend fast um 1/3 gesunken Unfallzahlen im Begegnungsverkehr Pkw/Motorrad), ist erstmal dahin. Zumindest, wenn man das jetzige Fahrlicht der Pkw als Tagfahrlicht nutzt.
Und eines ist dem BVDM besonders wichtig: Wir wollen keine Verkehrsteilnehmer gegeneinander ausspielen und keine Rechnung mit Verkehrstoten anstellen!!!! Jeder, der im Straßenverkehr sein Leben verliert, ist einer zu viel!! Deshalb muss alles getan werden, um die Zahl der Verkehrstoten weiter zu reduzieren. Genau dafür macht sich der BVDM seit Jahrzehnten stark. Wenn es wissenschafltich bewiesen ist (und das steht eben noch aus), dann auch durch das Tagfahrlicht. Aber dann auch durch eine entsprechende Farbgebung oder Anordnung von Zusatzlampen (bei Pkw) so, dass alle!!! Verkehrsteilnehmer davon profitieren. Und eben das war in den bisherigen Plänen nicht der Fall. Unberücksichtigt ist nach wie vor noch die Auswirkung auf die nicht beleuchteten Verkehrsteilnehmer, wie etwa Fußgänger. Die Diskussion ist in vollem Gange, auch in anderen Ländern. Wie in der jüngsten Sitzung der FEMA mitgeteilt (Bericht folgt in der Ballhupe) sind etwa in Dänemark nach Einführung des Tagfahrlichts die Unfälle mit Fußgängern stark, die mit Motorrädern leicht gestiegen.
Vor diesem Hintergrund kann ich nur sagen: Das Tagfahrlicht darf erst dann eingeführt werden, wenn alle Auswirkungen wissenschaftlich untersucht sind, und es geeignete Lichtquellen an den Pkw gibt.


Michael Lenzen, 2. Vorsitzender BVDM
BVDM, Mit Sicherheit mehr Spaß

KlausHetti Offline




Beiträge: 35

07.11.2006 20:31
#16 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten

Au weia,

sag das nicht so laut mit der stark gestiegenen Zahl der Unfallopfer unter den Fussgängern in Dänemark.

Wenn die das da oben mitkriegen, dann müssen die Fussgänger in Zukunft alle ne Bommelmütze mit Rundumleuchte aufsetzen! ;-)

Bye.KH

PS: ... das war doch nicht polemisch, oder?
--
Gruß aus dem Bliestal
Tip: Erst anhalten, dann absteigen! ;-)

Martin H. Offline



Beiträge: 31

30.11.2006 20:26
#17 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten

Hallo Friedhelm,
hab mir jetzt noch mal gebündelt Deine Ergüsse durchgelesen...
Du unterstellst anderen hier "pseudowissenschaftliche Terminologie"... die anderen sind alle "Polemiker"... und überhaupt amüsierst Du Dich über die "Energie (welche) einige Mitmenschen darauf verwenden, die eigene Meinung als die richtige darzustellen, obwohl sie keinerlei rationale Argumente dafür anführen können". Alter, schau mal in den Spiegel!!!
Gruß, Martin.

Frank Tobien Offline



Beiträge: 15

02.10.2007 20:35
#18 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten
Österreich hat also reagiert und will die allgemeine Tagfahrlichtverpflichtung für sämtliche Verkehrsteilnehmer (seit 04/2006) zum 1.1.2008 wieder zurücknehmen.

http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefau...=wzo&cob=301748

Grundlage dieser späten Einsicht ist eine neue Forschungs-Studie:

„Vergleicht man die Zeitspanne Januar bis Mai 2006 mit 2007, so haben Motorrad-/Moped und Fahrradunfälle [ in Österreich ] um je 65%, Pkw-Unfälle um 3,8% sowie Fußgängerunfälle um ein Prozent zugenommen, was ein Durchschnitts-Plus von 10 Prozent ergibt.
Die Studie des Unfallforschers Ernst Pfleger [..] kommt denn auch zur Conclusio, dass Licht am Tag für alle (mit Abblendlicht) zwar die Erkennbarkeit einzelner Pkw kurzfristig verbessert, andererseits aber zu verstärkter Ablenkung führt. Empfohlen wird daher das Abblendlicht nur bei Dämmerung oder Schlechtwetter – bei umsichtigen Fahrern seit jeher üblich.
Wasser auf die Mühlen all jener Mahner – nicht nur aus Zweiradverbänden – die schon bisher gemeint hatten, die Reizüberflutung im Straßenverkehr würde vor allem zu Lasten der Schwächsten, also der Fußgänger, Rad-, Moped- und Motorradfahrer, gehen.“
(Zitat Wiener Zeitung vom 11.09.2007)

Die hier beschriebenen Studienergebnisse decken sich exakt mit den vom BVDM formulierten Einwänden und geäußerten Befürchtungen. (Siehe Ballhupen 4/2005 und 1/2006)
Angesichts der womöglich unnötig, zusätzlich verunglückten Verkehrsteilnehmer bleibt einem die süffisant, wohlwollende Zurkenntnisnahme der Studienergebnisse leider im Halse stecken!


Man kann die Politiker der Alpenrepublik zu diesem mutigen, weil unpopulären Schritt – eine tatsächlich uneffektive Massnahme nun wieder zurück zu nehmen – nur beglückwünschen.
Den deutschen Politikern sei zu wünschen, dass sie gar nicht erst in die Sackgasse dieses Irrwegs tappen.
„Tagfahrlicht gefährdet Leben“ – das sollten nach dieser jüngsten mitteleuropäischen Studie auch die Herren Tiefensee und Co. verstehen und daraus lernen.

Das derzeit vermutlich wichtigste Argument gegen Tagfahrlicht liefert aber nicht Causa und Ratio, sondern eine Statistik aus der z.Zt. volkstümlich geführten Emissionsdebatte:
Eine Verbrauchssteigerung um durchschnittlich 0,2L/100km durch eingeschaltetes Abblendlicht, verbindlich für den gesamten, deutschen Kraftfahrzeugbestand angeordnet, würde zu einem Mehrverbrauch von 817.000.000 Litern (817 Mio. l) Kraftstoff führen, oder umgerechnet ca. 2.000.000.000 kg (2 Mrd. kg oder 2 Mio. to) Co2 ZUSÄTZLICH (!!).
Das könnten deutsche Politiker angesichts der aktuellen Diskussion über Feinstäube und Fahrverbote dem Bürger reichlich schlecht verkaufen...

Das Signal aus felix Austria ist deshalb umso wichtiger!
Unwichtig warum - Hauptsache dieser undurchdachte Schnellschuss Tagfahrlicht verschwindet endgültig von der Agenda der Damen und Herren Volksvertreter...

Mit Grußhand
Frank
Michael Lenzen Offline




Beiträge: 330

05.10.2007 12:45
#19 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten

Hallo Frank,

ja es scheint sich zumindest in Österreich die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass das Tagfahrlicht die Sicherheit nicht erhöht, sondern zumindest bei bestimmten Gruppen sogar senkt. Auf unserer Homepage habe ich mit Datum vom 24. September auf die aktuelle Entwicklung in Österreich hingewiesen. Ich habe das Bundesverkehrsministerium um eine Stellungnahme gebeten, bisher aber noch keine Antwort erhalten. Sobald die vorliegt, werde ich hier und in der Ballhupe darüber berichten. Wir verfolgen die Entwicklung in Österreich intensiv weiter und werden versuchen, weiter Druck auf die Bundesregierung auszuüben, damit in Deutschland das Tagfahrlicht erst gar nicht eingeführt wird.

Michael Lenzen, 1. Vorsitzender BVDM;
BVDM, Mit Sicherheit mehr Spaß

Michael Lenzen Offline




Beiträge: 330

30.10.2007 08:00
#20 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten

Hallo zusammen,

laut Auskunft des Bundesverkehrsministeriums ist zurzeit nicht daran gedacht, das Tagfahrlicht für Pkw einzuführen. Es werde keinen deutschen Sonderweg geben. Die Probleme hinsichtlich der Sicherheit von Motorradfahrern und der erhöhten Umweltbelastung seien erkannt und würden diskutiert. Es gebe keine klare Meinung, sagte ein Ministeriumssprecher. Deutschland werde nur im Rahmen der EU gemeinsam handeln, das werde frühestens 2009 der Fall sein.

Das es keinen deutschen Sonderweg gibt, ist ein klarer Erfolg unserer politischen Arbeit und der Öffentlichkeitsarbeit. Wir haben immer wieder auf die Problematik für uns Motorradfahrer hingewiesen. Jetzt müssen wir uns auf europäischer Ebene in der FEMA dafür einsetzen, dass es kein Tagfahrlicht für Pkw (mit den jetzigen Scheinwerfern gibt). Gegen spezielle LED-Lampen beim Auto, die eine deutliche Unterscheidung vom Motorrad bieten, ist aus meiner Sicht nichts zu sagen, wenn denn nachgewiesen wird, dass es nicht zu Blendeffekten und Ablenkung der anderen Verkehrsteilnehmer kommt. Hier müssen noch entsprechende Studien durchgeführt werden.

Auch wenn die Verhinderung eines deutschen Sonderweges kein Riesenerfolg ist, zeigt es doch, dass sich unsere konsequente Arbeit auszahlt. Es sollte für uns alle Ermunterung sein, aktiv für die Sicherheit aller Motorradfahrer weiterzuarbeiten und die Erfolge auch nach außen zu tragen.

Kämpft mit für Eure Rechte!

Michael Lenzen, 1. Vorsitzender BVDM;
BVDM, Mit Sicherheit mehr Spaß

Frank Tobien Offline



Beiträge: 15

20.11.2007 09:18
#21 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten
Anbei ein bemerkenswerter Artikel aus der FAZ (!), der die Tagfahrlichtproblematik noch einmal aktuell und kritisch zusammenfasst.
Die Arbeit des BVDM in persona von Christian wird darin ausdrücklich positiv erwähnt...


http://www.faz.net/s/Rub1DABC609A05048D9...n~Scontent.html

Grüsse
Michael Lenzen Offline




Beiträge: 330

21.11.2007 18:53
#22 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten

Hallo Frank,

erfreulich ist, dass sich auch die überregionalen Zeitungen mit diesem Thema beschäftigen, wenn auch etwas spät. Die aktuelle Stellungnahme der Bundesregierung bzw. des Bundesverkehrsministeriums zum Tagfahrlicht in Deutschland habe ich ja auf unserer Homepage unter der Rubrik News eingestellt. Wir werden aufmerksam verfolgen, wie sich das in Österreich weiterentwickelt.

Michael Lenzen, 1. Vorsitzender BVDM;
BVDM, Mit Sicherheit mehr Spaß

Michael Lenzen Offline




Beiträge: 330

03.12.2007 13:16
#23 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten

Hallo zusammen,

um das für uns Erfreuliche direkt zu nennen: Das Tagfahrlicht für Pkw ist vom Tisch. Wie die EU-Kommission entschieden hat, wird sie nicht weiter auf eine Harmonsierung beim Tagfahrlicht bestehen. Das heißt im Klartext, dass die Regelungen in den einzelnen Mitgliedsländern weiter bestehen bleiben können. Das Bundesverkehrsministerium hatte mir in einer Stellungnahme mitgeteilt, dass es beim Tagfahrlicht keinen deutschen Sonderweg, sondern nur eine EU-weite Regelung geben wird. Also bleibt für uns alles beim Alten. Die EU-Kommission hält zwar das Tagfahrlicht geeignet, die Unfallzahlen bei Pkw zu verringern, doch die Auswirkung auf die anderen Verkehrsteilnehmer sei nicht hinrreichend geklärt.

Das ist ein großer Erfolg für die Arbeit des BVDM. Immer wieder haben wir auf die mögliche Gefährdung für Motorradfahrer, Radfahrer und Fußgänger bei Einführung des Tagfahrlichtes hingewiesen. In Vorträgen, Pressemitteilungen und Diskussionen haben wir unseren Standpunkt immer wieder deutlich gemacht. Wir freuen uns über diesen Erfolg, der zeigt, dass sich die politische Arbeit des BVDM mal wieder ausgezahlt hat.




Michael Lenzen, 1. Vorsitzender BVDM;
BVDM, Mit Sicherheit mehr Spaß

Jolle Offline



Beiträge: 28

19.12.2007 17:23
#24 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten


Lichtpflicht wird wieder abgeschafft

München -
Österreich schafft die Lichtpflicht am Tag für Automobile zum Jahresanfang 2008 wieder ab. Grund ist laut ADAC die ablenkende Wirkung tagsüber eingeschalteter Scheinwerfer vom Verkehrsgeschehen bei den entgegenkommenden Verkehrsteilnehmern. Diese würden zwar die mit Abblendlicht oder speziellen Tagfahrleuchten fahrenden Autos besser wahrnehmen, dabei aber die unbeleuchteten Fußgänger und Radfahrer leichter übersehen. Die Lichtpflicht war erst 2005 eingeführt worden und sollte durch die bessere Sichtbarkeit der Autos für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Zurzeit herrscht noch in 21 weiteren europäischen Ländern eine generelle oder eine lediglich auf Schnellstraßen beschränkte Lichtpflicht.

15. Dezember 2007 - Hamburger Abendblatt
Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2007/12/15/828021.html

FZR-Joe Offline



Beiträge: 10

14.01.2008 19:57
#25 RE: Dauerlicht für Dosen? antworten

Hallo,

hab' in der WELT einen interessanten Artikel gefunden:

http://www.welt.de/wams_print/article154..._berwiegen.html

Lob an den BVDM für die tolle Lobbyarbeit!

MfG
Joe

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