Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 1.396 mal aufgerufen
 Kummerkasten
der_general Offline



Beiträge: 78

25.02.2008 17:34
Mutmaßliche Gefährdung durch Handprotektoren (BMW GS Modelle 2004-2007) antworten
Hallo,

es geht um den Unfall eines Schwerverletzten aus Fulda mit einem Motorrad BMW R1200GS am 13.01.2008 14.05 Uhr auf L 3171 zwischen Hünfeld und Rossbach wg. „technischen Defektes an der Bremsanlage“ lt. Pressebericht der Polizeistation Hünfeld vom 15.01.2008 (Klaus-Dieter Knüttel, EPHK). Der Text ist im Original diesem Posting angehängt.

Aus leitender Funktion einer bekannten Motorradzeitschrift gibt es den Hinweis, dass die Recherchen ergeben hätten, daß “offensichtlich im betreffenden Fall ein Handprotektor Auslöser des Unfalls war”.

Nun verhält es sich so: Die BMW R1200GS bzw. die BMW R1200GS Adventure des Modelljahres 2008 wird mit anderen Handprotektoren geliefert wird, als die, mit denen jedenfalls die 2004 - 2007er Modelle ausgerüstet waren. Es liegen zwischenzeitlich Informationen vor, nach denen die neuen Protektoren mit einer weiteren Schraube (in Richtung Lenkermitte) gegen Verdrehen gesichert sind. Ferner soll es sich so verhalten, dass man die neuen Protektoren quasi um ca. eine viertel Umdrehung nach oben und nach unten bewegen kann. Sie sollen wesentlich schmaler gestaltet sein, und könnten weder den Bremshebel, noch den Kupplungshebel berühren, das sei bedingt durch das modifizierte Design.

Aus Werkstattkreisen sei darüber hinaus zu vernehmen, dass diese (alte) Version unter bestimmten Einflüssen zum Verdrehen neigte. Wenn der Protektor aber den Bremshebel berührte, sei im Normalfall die Warnleuchte angegangen, der Fahrer wäre also "gewarnt" worden und der Typenzulassung / dem GPSG wurde entsprochen. Nicht gewarnt wurde der Fahrer jedoch, wenn die Verdrehung des Protektors an der Kupplungsseite erfolgte. Da wurde dann eventuell der Kupplung das im Normalbetrieb eigentlich vorhanden sein sollendes Kupplungsspiel genommen. Und die Kunden bemerkten im Betrieb sogar das Hochdrehen des Drehzahlmessers vornehmlich im Drehzahlbereich zwischen etwa 3500 und 5500 U/min, was sich wie eine rutschende Kupplung darstellte. Und der Motor zeigte darauf hin naturgemäß auch einen Einbruch des Durchzugs. Das könnte gerade bei Überholvorgängen ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Inwieweit eine Warnlampe tatsächlich aufleuchtet, und vor allem wann genau, wenn der Bremshebel am Handprotektor anliegt, war noch nicht zu recherchieren.

Bekannt ist aber, dass die Anzeige durch eine Warnlampe in der Praxis von Motorradfahrern häufig nicht wirksam ist. Denn jeder erfahrene Motorradfahrer weiß: Der Blick des Motorradfahrers soll immer "in die Ferne" gehen, denn er legt ja praktisch mit dem Auge seine Fahrlinie fest. In Kurven hat der Motorradfahrer das Cockpit mit Warnlampen überhaupt nicht im Blickfeld. Und wenn der Fahrer dann mal - auf gerade Strecke - hinunter aufs Cockpit schaut, dann wird auch ein Unterschied deutlich, über den kaum gesprochen wird: die Adaption des Auges, die Umstellung von Fern- auf Nahsicht. Und es gibt Fahrsituationen, da kann der Fahrer selbst mit gutem Willen und besten individuellen Vorraussetzungen die Warnlampen überhaupt nicht erkennen, beispielsweise wenn er an einem späten Herbsttag gegen die untergehende Sonne fährt. Außerdem hat der Leiter der Abteilung Rückrufe/Produktsicherheit beim KBA hat sicher auch aus diesen Gründen beim “Verordnungsgeber” schon in 2006 angeregt, “über eine Konkretisierung diesbezüglicher gesetzlicher Anforderungen für die Zukunft zu diskutieren. Schwerpunktmäßig sollte die Eignung verschiedener Warnsignale bei Ausfall einer vorhandenen Bremskraftunterstützung und ggf. das notwendige Restbremsniveau untersucht werden.” Und in FAZ.NET vom 29.07.2005 schrieb der Journalist Gerd Georg Feth nach dem Besuch einer Informationsveranstaltung von BMW am Flughafen München wie folgt:

“Bei der Information will BMW aber nachbessern. In München wird darüber nachgedacht, wie ein solch wichtiger Systemausfall dem Fahrer noch besser und auffälliger mitgeteilt werden kann. Möglicherweise wird man sich für eine Art Vibrationsalarm im rechten Handgriff entscheiden, der den Biker dazu auffordern soll, aufs Display zu achten, wo er genau sehen kann, welches System ausgefallen ist.”

Nun hat aber BMW bekanntlich nicht nachgebessert.

Insgesamt entsteht der Eindruck, es gäbe tatsächlich ein erhebliches Sicherheitsrisiko durch die Protektoren an den alten GS-Motorrädern vor dem Modelljahr 2008. Denn die neuen sind konstruktiv so geändert, dass das Sicherheitsrisiko nahezu ausgeschlossen wurde.

Das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg und die Staatsanwaltschaft Fulda haben Ermittlungen in der Sache eingeleitet. Das Aktenzeichen bei der Verkehrssicherheitsbehörde lautet 414-771/2073/08, das Aktenzeichen bei der Strafverfolgungsbehörde ist noch nicht bekannt.
Dateianlage:
polizeibericht_original.pdf
der_general Offline



Beiträge: 78

26.02.2008 09:10
#2 RE: Mutmaßliche Gefährdung durch Handprotektoren (BMW GS Modelle 2004-2007) antworten

Die Angabe einer technischen Erklärung für die angebliche Unfallursache (Handprotektor) sieht wie folgt aus:

Der Hauptbremszylinder ist mit Zentralventilen versehen, welche die Verbindung der Arbeitskammern des Hauptbremszylinders mit dem Bremsflüssigkeitsbehälter kontrollieren. Solange der Hauptbremszylinder aber nicht betätigt ist (der Bremshebel nicht betätigt wird), sind die Zentralventile offen. So stehen die an die Arbeitskammern angeschlossenen Bremskreise mit dem Bremsflüssigkeitsbehälter in Verbindung. Und so kann jederzeit ein Druck- und Volumenausgleich stattfinden.

Mit bereits leichtem Betätigen des Bremshebels werden die Zentralventile geschlossen, so daß die Bremskreise hydraulisch gegenüber dem Vorratsbehälter gesperrt sind und so ein Druck aufbaubar ist.

Bei permanent leicht gezogenem Bremshebel infolge Anliegens des Handprotektors an den Bremshebel läuft die Bremse heiß, die Zentralventile sind aber geschlossen. Die Bremsflüssigkeit dehnt sich aus, es findet aber kein Druck- und Volumenausgleich mehr statt. Und die logische Folge ist dann eine Radblockade.

Das kann letztendlich sehr schnell gehen und muss bei drehmomentstarken und voluminösen Motoren nicht unmittelbar dem Benutzer auffallen. Zumal es dann eben sehr schnell geht.

der_general Offline



Beiträge: 78

29.02.2008 11:54
#3 Informationsfreiheitsgesetz (IFG) antworten

Wer sich als persönlich Betroffener, als Sympathisant für die Lobby der Motorradfahrer oder einfach als Demokrat für das Thema interessiert, kann wie folgt ohne jede Begründung ein Schreiben verfassen:

"Ich stelle den Antrag auf Erteilung einer schriftlichen, 'einfachen Auskunft' nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) zum Vorgang mit dem Aktenzeichen 414-771/2073/08"

"Insbesondere möchte ich wissen... "

"Freundliche Grüße ..."

Und das Schreiben schickt man dann per Post hierhin:

Kraftfahrt-Bundesamt
Abt. Produktsicherheit/Rückrufe
Fördestraße 16
24944 Flensburg


oder per Fax: 0461 316 1741


Wenn es zu Problemen kommen sollte, kann man sich an den Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar wenden. Es könnte nämlich sein, dass der Eindruck erweckt wird, die Behörde KBA sei auf Abschottung ausgerichtet, gegenüber Motorradfahrern, die sich einfach so für die Verwaltung in ihren Angelegenheiten interessieren.

http://www.bfdi.bund.de/IFG/Home/homepage__node.html

dai_lamma Offline



Beiträge: 1

02.03.2008 12:02
#4 RE: Mutmaßliche Gefährdung durch Handprotektoren (BMW GS Modelle 2004-2007) antworten

Der Google Legal Support, die Rechtsabteilung der Google Inc., löschte ganz offensichtlich am 1. März 2008 infolge eines Gerichtsbeschluß, einer 'Court Order', einen kritischen Indymedia-Artikel über einen deutschen Automobil- und Motorrad-Hersteller (BMW Motorrad) aus dem Google-Index. Anhaltspunkt, dass wohl eine gerichtliche Entscheidung zur Löschung führte, ist folgende Meldung bei Chilling Effects:

Court Order: http://www.chillingeffects.org/notice.cgi?sID=5108

Bei dem Indymedia-Artikel, der aus dem Google Index darauf gelöscht wurde, handelt es sich um folgenden Text:

http://de.indymedia.org/2008/02/208881.shtml

Dieser Bericht war bis unmittelbar vor seiner Löschung aus dem Index auf Platz 3 im Google Index gelistet, wenn man die Suchanfrage "BMW Motorräder" eingegeben hatte. Jetzt sind wieder BMW Händler da führend gelistet, sowie Tuningbetriebe spezialisiert auf BMW Motorräder.

Es ist allerdings immernoch nicht nachvollziehbar, wer im vorstehenden Fall den Artikel per Gerichtsbeschluß von Google Inc. löschen ließ. Hier fehlt bislang jede Form der Transparenz und Offenheit bei Index-Löschungen, die Google regelmäßig für sich in Anspruch nimmt (Chilling Effects Clearinghouse).

Und sowohl bei YAHOO, als auch bei LYCOS, ist der Artikel weiterhin im Index enthalten. Im Google-Index hingegen findet sich dann der Hinweis: "Aus Rechtsgründen hat Google 1 Ergebnis(se) von dieser Seite entfernt. Weitere Informationen über diese Rechtsgründe finden Sie unter ChillingEffects.org."

 Sprung  
Xobor Forum Software von Xobor
Einfach ein eigenes Forum erstellen